B.A. KulT-WTG, 4. Fachsemester; Seminar: Einführung in die Digital- und Computergeschichte im WiSe 23/24 von Dr. Christian Zumbrägel
Historischer Kontext 1/3
Historischer Kontext 2/3
1980er-Jahre: Beschrieben als Übergangsperiode von stabiler Nachkriegszeit zu globalisierter, vernetzter Ära
Technologisches Wachstum: Dienstleistungssektor getrieben durch technologische Innovationen
Alternative Milieus in Westdeutschland:** Höhepunkt zwischen 1978-1982
Historischer Kontext 3/3
Technikfeindlichkeit vs. Technikenthusiasmus: Gesellschaftliche Debatte geprägt von Ängsten und Hoffnungen
Positionierung des CCC:
Warnung vor Gefahren des uneingeschränkten Computereinsatzes
Förderung des freien Informationsaustauschs und „Spaß am Gerät“
Politisch relevante Ereignisse
Gründung Die Grünen (1980)
Deutscher Herbst (1977) und die Angst vor Massenüberwachung
Proteste gegen Volkszählung (1982)
Vorgeschichte
Medienladen Hamburg
Gründung durch Studierende in den 1970er Jahren
Ziele des Medienladens: Macht des Fernsehens brechen, Zugang zu Videotechnik ermöglichen
Hier trafen sich auch Klaus Schleisiek, Wau Holland, Wolf Gevert, Wulf Müller und Jochen Büttner
tuwat.txt
Inoffizielle Gründung und erste Treffen
tuwat-Treffen (12.09.1981)
Parallel zur Internationalen Funkausstellung und tuwat-Kongress in Berlin
Treffen im taz-Gebäude: pragmatischer Ort mit passender Infrastruktur
~20 Teilnehmer_innen
Ergebnisse
Erstellung von drei Dokumenten: Protokoll, Thesenpapier, Presseerklärung
Vision der Computertechnologie und ihre Auswirkungen
Diskussion über Bildungslücken an Universitäten
Betonung sozialer Fragen im Zusammenhang mit "intelligenten Maschinen"
Selbstbild und Selbstdarstellung (1984)
Selbstbild und Selbstdarstellung
Erste Datenschleuder-Ausgabe (Feb 1984): Format und Inhalt inspiriert von der Zeitschrift TAP
Manifest des CCC:
Präsentation als "galaktische Vereinigung ohne feste Strukturen"
Betonung des Rechts auf freien Informationsaustausch
Aufgaben des Clubs
Sammeln und Verbreiten von Informationen
Nutzung von Mailboxen und Archiven
Der BTX-Hack (1984)
BTX?
BTX = Bildschirmtext-System der deutschen Bundespost
Ursprünglich in den 1970er Jahren von der britischen Telekom entwickelt, wurde Btx in Deutschland erst 1984 eingeführt, nach Verzögerungen durch politische und medienrechtliche Auseinandersetzungen.
Die Bundespost hatte hohe Erwartungen an Btx und prognostizierte eine weite Verbreitung.
Sicherheitslücken
Wau Holland und Steffen Wernéry: Diskussion über Computer als Medium, Experimente mit Btx
Erste entdeckte Sicherheitslücke: Möglichkeit, versendete Nachrichten zu ändern
Holland hält Vortrag, Lücken werden nicht geschlossen
Der Hack
Umleitung von Geldern über Haspa-Btx-Kennung
Anschließend Pressekonferenz und Rückzahlung
Selbstbild und Medienpräsenz (1985-1986)
Nach BTX-Hack
CCC in den Medien prominent vertreten, z.B. im ZDF-Jahresrückblick
Expansion des CLubs
Gründung von Gruppen in verschiedenen Städten
Bedeutung der Mailboxen für die Kommunikation
CCC und die Grünen – "Die Studie"
Hintergrund
IuK-Kommission des Bundestags in den USA
Parlakom-Projekt des Bundestages
Position der Grünen
Kritische Haltung gegenüber Digitaltechnologie
Angst vor Überwachung, Computer als Werkzeug der Herrschenden Klasse
Fraktionsmitarbeiterin schöug vor, Hacker, u.a. vom CCC zu konsultieren und diese eine Studie erstellen zu lassen
Inhalte der Studie
Kritik, Vorschläge für alternative Nutzungsformen
Betonung der Wichtigkeit von Computern für demokratische Prozesse
Vereinsgründung und Entwicklung (1986-1988)
Formelle Gründung
Reaktion auf Gesetzesänderungen (Wirtschaftskriminalitätsgesetzes)
Deshalb: Formelle Gründung als eingetragener Verein im Frühjahr 1986
Anpassung der Satzung aufgrund von Finanzamtsbedenken
Selbstverständnis des CCC
Forum und Sprachrohr der Hackerszene
Fokus auf Aufklärung und bewussten Technologieeinsatz
Interne Kommunikation mit privaten Mailboxen. Deshalb: Auseinandersetzungen mit Bundespost
Hacker oder Kriminelle?
Eindringen in Forschungsnetzwerke (1987)
Lücke im VMS-Betriebssystem von Digital Equipment Corporation (DEC) ermöglichte Zugang zu verschiedenen Forschungsnetzwerken
Darunter: SPAN, an dem die NASA beteiligt
Auch das CERN war betroffen
CCC-Mitglieder nutzten Sicherheitslücke aus
Aufdeckung und Verhaftungen
Clifford Stoll beobachtete unerlaubtes Eindringen in Computersysteme in Berkeley
Ermittlungen gegen Holland, Wernéry und Reinhard Schrutzki wurden eingeleitet
Frühjahr 1989: Markus Hess und drei weitere Hacker
Hatten über Jahre Sicherheitslücken ausgenutzt und Informationen an den KGB verkauft
Folgen des Konflikts
"NASA-Hack" oder "KGB-Hack" Thema von Büchern und Filmen
Nach KGB-Hack: CCC wurde in der Öffentlichkeit mit Spionage in Verbindung gebracht
Zerwürfnis des Hamburger CCC um Wau Holland
Wau Holland verließ Hamburg und zog nach Ilmenau
Club dezentralisierte sich zunehmend
Diskussion
Wie ist euer Eindruck: Wie ist das Image des CLubs heute? Was habt ihr bisher mitbekommen?
Boy's Club?
Literatur und Quellen
Alberts, Gerard; Oldenziel, Ruth (Hrsg.) (2014): Hacking Europe: From Computer Cultures to Demoscenes, London: Springer London (History of Computing), doi: 10.1007/978-1-4471-5493-8.
Chaos Computer Club: Der Chaos Computer Club stellt sich vor. In: Die Datenschleuder 1, Februar 1984, S. 3. Auch in: Chaos Computer Club: Die Hackerbibel. Teil 1. Löhrbach 1985. S. 137.
Erdogan, Julia Gül (2020): „Computer Wizards“ und Haecksen. Geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen in der privaten und subkulturellen Computernutzung in den USA und der Bundesrepublik / “Computer Wizards” and “Haecksen”. Gender Role Assignments in Private and Subcultural Computer Usage in the USA and the Federal Republic of Germany, in: Technikgeschichte, Jg. 87, Nr. 2, S. 101–132, doi: 10.5771/0040-117X-2020-2-101.